Urs Frauchiger

Ludwig Hohl war noch kürzer und kommentierte: „Dieses Wort, mir überaus wichtig, ein Gedicht aus nicht nur zwei Wörtern, sondern nur zwei Silben…“

Wann?

Bald.

Das musste ich ergänzen, damit es auch mir wichtig wurde:

Wann?

bald.

Dann 

halt.


23.02.2019

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Giuseppe Ungaretti hat mit zwei Zeilen und zwei Wörtern das vermeintlich kürzeste Gedicht geschrieben:

M’illumino

d’immenso

Hans Magnus Enzensberger hat es übersetzt:

Ich erleuchte mich

durch Unermessliches

Diese Übersetzung taugt nichts: Sie ist zu lang und zwängt das helle Staunen Ungarettis in ein bedeutungsschwangeres, teutsch-metaphysisches Korsett.

(morgen folgt ein noch kürzeres Gedicht -  anschliessend gehe ich an den Atlantik und laufe den Sandstränden nach. Hinter mir verwischen die Wellen meine Spuren und vor mir dehnt sich Ungarettis immensità)

22.02.2019

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Nur das Unübersetzbare ist wert, übersetzt zu werden.

(Morgen und übermorgen mehr dazu)

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21.02.2019

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Vaut un détour, pflegt der Guide Michelin anzumerken.

Ce n’ est que le détour qui vaut le voyage. 

20.02.2019

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Ich finde, fremde kluge Gedanken weitergeben u. weiterverwenden besser als eigene törichte zu produzieren…  (Gottfried Benn „Briefe an Oelze“, Brief vom 13. 5. 1948).

Das wird gern von Kulturjournalisten zitiert. Den Schluss des Satzes hingegen lassen sie weg: …wie es das Feuilletonisten-Geschmeiss im Allgemeinen macht.

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19.02.2019

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